Hund mit dünnem Fell

Der Waldspaziergang neulich war wieder einmal im grünen Bereich. Milo schien zufrieden zu sein mit sich und der Welt.

Als wir beide so den Waldweg hochgingen, witterte Milo plötzlich irgendetwas, es zog ihn den Hang hinauf in den Wald. Ich liess ihm seinen Willen und folgte ihm an der Bauchleine, hinweg über Trampelpfade von Jägern und Sammlern, den tiefen Rinnen, die die Fahrzeuge der Forstarbeiter im Wald hinterlassen haben, bis ins hohe Gras.

Ich liess Milo soweit wie möglich gewähren, auch wenn er ins Gebüsch oder den dichten Farn vordrang. Denn ich weiss, wie wichtig es für ihn ist, dass er auch einmal frei entscheiden kann, wo er lang gehen will. Denn ohne Leine frei laufen lassen ist für Milo keine Option. Also hänge ich ihn an eine 2.5 Meter lange Bauchleine, um ihm zumindest etwas Freiheit zu geben – und um bergauf von seiner Zugkraft zu profitieren.

So schlenderten wir durch den Wald, Milo schnupperte an allerlei Sachen, schaute mit interessiert aufgestellten Ohren in Richtung von Hirschen, wie ich vermute, wälzte sich in einem stinkenden Etwas. Er schien zufrieden mit sich und der Welt, denn er fühlte sich sicher. Offensichtlich gab es im Wald nichts, das ihm bedrohlich schien oder Angst einjagte.

So sollte es sein: Ein entspannender Spaziergang für beide Enden der Leine. 

Leider sind solche recht selten und es hat viel Kraft und Geduld gebraucht, bis wir zwei an diesen Punkt gelangt sind. Und es liegt immer noch ein langer, gemeinsamer Weg vor uns, dessen bin ich mir bewusst.

Denn Milo hat wenig Ressourcen. Anders ausgedrückt, sein Nervenkostüm ist ziemlich dünn, weshalb er in Situationen, die ihm bedrohlich oder unberechenbar erscheinen, rasch in die Zone von problematischen, unerwünschten Verhalten gerät. Darum einigten meine Hundetrainerin und ich uns vor mehr als einem Jahr darauf, gemeinsam am Thema Ressourcenmanagement zu arbeiten. 

Denn im Gegensatz zu gängigen Trainingsmethoden geht es beim Ressourcenmanagement nicht darum, einzelne problematische Verhaltensweisen abzutrainieren. Vielmehr werden allgemein die Ressourcen des Hundes aufgebaut, damit er Stress besser bewältigen kann.


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