Stress baut sich viel schneller auf als ab. Folgen viele Stressoren (Trigger) innerhalb einer kurzen Zeitspanne aufeinander, kann das zu einem sogenannten Trigger Stacking führen. Mit zum Teil gravierenden Folgen.
Immer wieder sind in der Presse Geschichten zu lesen von Hunden, die vermeintlich aus heiterem Himmel heraus einen anderen Hund oder einen Menschen gebissen haben, mit zum Teil fatalen Folgen für alle Beteiligten.
Viele dieser Vorfälle liessen sich vermeiden, wenn mehr Hundehalter und -trainerinnen mit dem Phänomen des Trigger Stacking vertraut wären. Denn aufgrund dieses Phänomens kann sich jeder Hund unverhofft in das höchste Stressniveau geraten, besser bekannt als die rote Zone.
Bis der Hund jedoch in die rote Zone gerät, durchläuft er in der Regel verschiedene Stufen des Stress. Auf welcher Stufe er gerade steht, kann man an seiner Körpersprache ablesen.

Stress kann für den Hund vieles bedeuten. Das kann eine Begegnung mit einem Hund sein, der ihm bedrohlich erscheint oder ein Gewitter. Stress verspürt der Hund zum Beispiel auch, wenn er sich unwohl fühlt, weil er krank ist oder es ihm gerade zu heiss oder zu kalt ist. Oder wenn er frustriert ist, dass er nicht zu einem Hund hin darf, mit dem er gerne spielen möchte.
Was ein Hund als Stress empfindet ist sehr individuell und hängt stark mit seiner Vorgeschichte und Erbanlage zusammen.
Komm hinzu, dass nicht alle Reize oder Situationen den Hund gleichermassen aufregen. Hier kommen die Faktoren Dauer und Distanz ins Spiel. So empfindet ein Hund auch starken Stress, wenn ein an und für sich milder Reiz zu nahe kommt oder er diesem zu lange ausgesetzt ist.

Im Körper äussert sich Stress dadurch, dass die Hormone Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet werden. Je Stresssituation normalisiert sich der Hormonspiegel nach zwei bis sechs Tagen. Stress baut sich also viel langsamer ab als er sich aufbaut. Kommt es innerhalb dieser Zeitspanne zu noch mehr Aufregung, kann sich Stress nicht abbauen und er baut sich noch mehr auf. Es kommt zum Trigger Stacking.
Die wichtigste Erkenntnis im Zusammenhang mit Trigger Stacking ist, dass sich Stress wesentlich langsamer abbaut als er sich aufbaut.
Ich nehme zum Vergleich ein Regenfass: Schwache Stressoren entsprechen einzelnen Wassertropfen, ein mittlerer Stressor entspricht einem Eimer voll Wasser, ein starker, wenn es zu einem Wolkenbruch kommt. Entnimmt man über die Tage hinweg dem Fass kein Wasser, fällt irgendwann unweigerlich der Tropfen, der das Fass wortwörtlich zum Überlaufen bringt.
Auf den Hund übertragen bedeutet dies, dass er irgendwann das höchste Stressniveau, die rote Zone erreicht und sich je nachdem für die Flucht oder den Angriff entscheidet. In diesem Bereich passieren dann die Beissvorfälle, die vermeintlich aus dem Nichts kommen.
Im roten Bereich ist der Hund übrigens auch nicht mehr aufnahme- oder lernfähig, was in Trainingssituationen zu viel Frustration beiderseits führt.
Ich möchte Trigger Stacking an einem stark vereinfachten Fallbeispiel mit Milo veranschaulichen.

Ausgehend von einer sehr belastenden Situation mit Handwerkern im Haus am Montag, ergeben sich für Milo zwei Szenarien: Entweder kommt es aufgrund von Trigger Stacking bereits am Montag zu einer sehr unangenehmen Situation mit einem freilaufenden Hund (Szenario 1). Oder wir erleben dank bewusstem Umgang mit Stress am Samstag eine wesentlich entspanntere Begegnung mit einem freilaufenden Hund (Szenario 2).
Wie das Beispiel zeigt, ist es wichtig, dass Hunde, die Stress ausgesetzt waren, genügend Raum und Zeit erhalten, um sich zu erholen und wieder in den grünen Bereich zurückzugelangen.
Das erreicht man mit erbaulichen, entspannenden Aktivitäten wie zum Beispiel Schnüffelspielen oder dem Kauen eines getrockneten Schweinsohrs. Diese Aktivitäten beschäftigen den Hund, ohne ihn aufzuregen. Wichtig ist aber vor allem auch genügend Ruhe und Schlaf, damit er Stress abbauen kann.


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