Hasst ihr Hund heimlich seine Spaziergänge?

Diese eindringliche Frage geht mir jedes Mal durch den Kopf, wenn ich mit Milo unterwegs bin.

Sie stammt aus einem Beitrag des amerikanischen Hundetrainers Tim Steele. Und ich muss sagen: Ja, manchmal mag Milo seine Spaziergänge nicht. Er hasst sie nicht gerade, aber ich merke an seinem Verhalten, dass ein Ausflug ihm gerade nicht viel Freude bereitet. An solchen Tagen wirkt sein Gang angestrengt, er schnuppert kaum und scheint auch sonst der Umwelt gegenüber desinteressiert und lustlos. Er tut mir einfach den Gefallen und begleitet mich.

Es gibt auch Tage, an denen Milo ganz deutlich zeigt, dass dieser Ausflug jetzt nicht gerade nach seinem Geschmack ist. Zum Beispiel Schneeschuhlaufen. Ist der Schnee für seine Pfoten zu kalt, schmeisst sich Milo an den Boden und macht mir so klar, dass dieses Vorhaben heute gar keine gute Idee ist. Um ihn nicht unnötig zu belasten, breche ich die Übung dann ab. Was für mich manchmal frustrierend ist, besonders wenn ich mich auf eine schöne Schneeschuhtour gefreut habe.

Milo zeigt an, wenn ihm der Schnee zu kalt ist.

Das Thema ist nicht neu, aber mein Umgang damit ist heute anders. Auch Milos Vorgängerin Ranja ging manchmal lustlos hinterher auf unseren Spaziergängen, die damals noch sehr ausgedehnt waren. Aber wir ignorierten ihr Verhalten weitgehend, waren zum Teil auch frustriert.

Schliesslich wollten wir es richtig gut machen. Im Tierheim Basel hatte man uns nämlich gesagt, dass Ranja mindestens täglich zwei Stunden Auslauf und Bewegung brauche. Kein Wort über Ruhetage oder -pausen oder andere, entspannende Aktivitäten, je nach Tagesform. Rückblickend hat das unnötig Druck ausgeübt, auf Ranja und uns als Halterinnen.

Mit Milo ist es nun anders. Weil ich weiss, dass er weniger Ressourcen hat als andere Hunde, habe ich auf Anraten meiner Hundetrainerin und inspiriert von besagtem Beitrag meine Ansprüche an unsere Spaziergänge inzwischen massiv heruntergeschraubt. Es dauerte aber drei Jahre, bis ich begriff und vor allem verinnerlichte, dass es nicht darum geht, wie lange wir beide unterwegs sind. Viel wichtiger ist die Qualität unserer Ausflüge. Mit anderen Worten: Im Vordergrund steht, dass Milo sich sicher fühlt und Spass hat. Je nach Tagesverfassung sind das bei ihm fünf oder 45 Minuten.

So sollte es sein: Milo ist interessiert an seiner Umwelt

Originalbeitrag von Tim Steele (auf Englisch)


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