Smokey und ich gehen im Fideriser Tarnutz spazieren. Der Weg ist sehr angenehm, vor allem weil er recht übersichtlich ist. Es ist ein gewöhnlicher Donnerstag Mitte Juni in der Zwischensaison, meine Vermutung ist, dass heute kaum Wandersleute unterwegs sind. Und vor allem: Die Mutterkühe sind auch noch nicht oben auf der Alp. Der Wanderweg ist zwar schön ausgezäunt, aber ich gehe trotzdem nicht gerne mit dem Hund dort laufen, wenn die Kühe anwesend sind. Weil dann die Zäune unter Strom sind, besteht die Gefahr, dass Smokey beim Schnüffeln unverhofft an den Zaun gerät und es ihn zwickt. Diese unangenehme Erfahrung möchte ich ihm ersparen.
Ein paar hundert Meter vor der Fideriser Alphütte, dreht sich Smokey sich immer wieder um, geht ein paar zurück und schnüffelt. Er kann sich aber gut lösen und kommt wieder mit mir mit weiter in Richtung Alphütte. Aber ich merke, dass ihn irgendetwas beunruhigt. Etwas unterhalb der Alphütte bleibe ich stehen und blicke mit dem Feldstecher auf die andere Seite des Tals zum Malanser Tarnutz: Dort stehen zwei Autos bei den Hütten. Da das Alppersonal immer wieder mit freilaufenden Hunden unterwegs ist, die ich nicht kenne und auch nicht einschätzen kann, ist für mich klar, dass ich nicht noch weiter gehe.
Aus einem Bauchgefühl heraus beschliesse ich an Ort und Stelle umzudrehen und zum Auto zurückzukehren. Ich hatte noch kurz überlegt, ob ich mit Smokey zum Brunnen bei der Hütte hochgehen sollte, entschied mich aber dagegen. Ich gebe ihm das Kommando für Umdrehen, Smokey folgt aufs Wort. Als wir wieder einige Meter von der Hütte entfernt sind, höre ich hinter uns plötzlich ein „Wuff“. Ich drehe mich um und sehe einen Sennenhundmix bei der Hütte stehen. Damit hatte ich nicht gerechnet! Wir gehen zügig weiter weg, Smokey schaut ein paarmal zurück, bis die Distanz gross genug ist und er sich lösen kann. Er geht locker an der Leine, ist bei mir. In der unübersichtlichen Kurve nehme ich ganz kurz.
Einige Meter vor dem Eingang zur Alpweide wird Smokey wieder unruhiger. Da der Eingang von dieser Seite aus gesehen auf einer Kuppe steht, kann ich nicht sehen, was auf der anderen Seite ist. Ich hatte aber vorhin unseren Nachbarn auf der Heubergstrasse heranfahren gesehen und ich befürchte, dass er mit seinem Hund eventuell zum Maiensäss gefahren ist, das gleich unterhalb der Kuppe liegt. Ich habe ihn verschiedene Male dort gesehen. Und sein Hund hat die Tendenz, auf andere Hunde zuzukommen und diese langsam zu verfolgen. Mit welcher Absicht es das tut, ist mir nicht ganz klar, ich vermute es ist ein territoriales Verhalten.
Ich ziehe Smokey den Maulkorb an, falls es zu einer Begegnung kommen sollte und ich nehme an die ganz kurze Leine. Denn Smokey hat Angst vor Menschen, die er nicht kennt. Und wenn diese ihm zu schnell zu nahe kommen, weil sie zum Beispiel ihren Hund zurückholen, kann er schnappen. Darum setze ich ihm zur Sicherheit den Maulkorb auf.
Smokey kommt gut mit, wir gehen durch das Tor – es ist niemand dort. Wir gehen ein Stückchen weiter um eine weitere unübersichtliche Kurve herum, dann nehme ich ihm den Maulkorb wieder ab.
Smokey geht wieder locker.
Reflexion
Smokey spricht eine klare Sprache, aber seine Signale sind zum Teil sehr fein. Deshalb muss ich ihn genau beobachten. Wenn er sich zum Beispiel abwendet, die Richtung ändert, ist weiter vorne etwas, dass ihn verunsichert, auch wenn ich nichts wahrnehme. Wichtig ist, dass ich dann frühzeitig umdrehe, bevor seine Reaktion heftiger wird. So kann Smokey Vertrauen fassen, dass ich seine Sprache verstehe und ihn nicht in Gefahr bringe.
Meine Hoffnung ist, dass er dieses Mal mit dem Maulkorb eine positive Verknüpfung gemacht hat und dass dieser ihm in Zukunft zusätzlich Sicherheit gibt. So nach dem Motto: Ich hatte den Maulkorb auf, darum ist nichts Schlimmes passiert.
Aufgezeichnet am 14. Juni 2024



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