Am Anschlag

Nach einer Einführung, die in meinem Fall sehr kurz ausfiel, weil ich nicht das erste Mal bei ihr war, schrieb die Verhaltensberaterin nur folgendes auf einen Zettel:

Zu mehr kamen wir nicht, auch weil Smokey im Auto wartete und bellte. Er kann noch nicht alleine im Auto warten.

Zu dieser Aussage kam sie aufgrund meiner Angaben, die ich in ihrem sehr ausführlichen Fragebogen gemacht hatte. Den Hund hatte sie noch gar nicht richtig gesehen.

Die Frage, die sich mir stellte war: Ist der Hund unterfordert oder überfordert? Denn beides kann dasselbe Verhalten hervorbringen.

Die Verhaltensberaterin lächelte nur fein und sagte zu mir: „Du kennst meine Antwort in dieser Frage.“ Ja, ich kannte sie und ich hatte intuitiv bereits auch danach gehandelt. Denn von Milo habe ich gelernt, dass solches Verhalten aus der Überforderung heraus kommt, nicht der Unterforderung – Stress also.

Smokey gehört zu der Sorte Hund, die äusserst schnell erregt oder aufgeregt ist. Es braucht bei ihm nicht viel, schon überdreht er. Deshalb hatte ich in der ersten Monaten, die er bei uns war versucht, sehr viel Ruhe und Entspannung in unsere Beziehung einzubringen. Mit Erfolg: Die ersten Tage oder Wochen flog er quasi aufs Bett und schnappte wild um sich herum. Er war kaum zu bremsen, was uns nahe an die Verzweiflung brachte. Den Hunderziehungskurs für Junghunde hatte ich mit ihm noch absolviert. Aber es war sehr anspruchsvoll, denn so viele fremde Menschen und Hunde auf dem Platz waren für Smokey viel zu viel. Den anschliessenden Aufbaukurs habe ich nach ein paar Versuchen aufgegeben. Smokey war immer höchst angespannt und nicht aufnahmefähig.

Gemäss Beraterin habe Smokeys Überschwänglichkeit zwei Ursachen: Erstens die Rasse, die dahingehend gezüchtet wurde, stets „Gewehr bei Fuss“ zu sein. Zweitens habe Smokey mindestens ein Trauma, das er mit sich mitträgt. Nämlich dass er mit fünf Wochen von seiner Mutter getrennt wurde.

Oberstes Gebot im Umgang mit Smokey sei es, die Intensität zu reduzieren, sagte sie.

Spontan kam mir diese Grafik in den Sinn, die ich im Zusammenhang mit Stress- respektive Ressourcenmanagement von Milo auch schon gebracht habe:

Das Lernfenster

Es gibt drei Dimensionen, die man im Zusammenhang mit Reizen (Trigger) beachten sollte:

  1. Wie wie stark ist der Reiz für den Hund? (Intensität)
  2. Wie lange ist er dem Reiz ausgesetzt? (Dauer)
  3. Wie weit weg ist der Reiz? (Distanz)

Damit der Hund überhaupt aufnahmefähig ist und lernen kann, muss je nachdem entweder die Intensität reduziert werden, wenn das nicht geht, die Distanz erhöht und die Dauer verkürzt werden, die der Hund dem Reiz ausgesetzt ist.


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