Anfang März 2016 trat Milo, ein American Staffordshire Terrier mit bewegter, aber doch weitgehend unbekannter Vorgeschichte, in unser Leben.
Am 29. Februar 2016 erstickte unsere Hündin Ranja an einem Knochen. Der Schock war gross, die Trauer tief, doch wir waren entschlossen, diese schmerzhafte Lücke raschmöglichst zu schliessen. Denn nach sechseinhalb schönen Jahren mit Ranja war ein Leben ohne Hund für uns schlichtweg nicht vorstellbar. Deshalb verbrachten wir bereits einen Tag nach Ranjas Tod viel Zeit im Internet, nicht zuletzt auch um uns vom Verlust abzulenken.

Bereits zu Ranjas Lebzeiten hatte ich mich immer wieder in verschiedenen Tierheimen und Hilfsorganisationen umgesehen, ob irgendwo ein sogenannter Listenhund ein Plätzchen sucht. Denn der Kanton Graubünden kennt zum Glück keine Rassenliste und ich hatte mir geschworen, dass ich einmal einem schwer vermittelbaren Hund eine Chance auf ein gutes Leben bieten möchte, wenn Ranja nicht mehr bei uns ist.
Milo sucht ein Zuhause
In einem Tierheim stiess ich auf Milo, einen 2.5-jährigen American Staffordshire Terrier, der ein Zuhause suchte. Ich telefonierte mit dem Tierheim, erkundigte mich über den Hund. Die Mitarbeiterin beschrieb ihn mir: Er sei ganz lieb, möge Menschen. Er sei zwar unsicher, aber mit Futter bestechlich. Wie er mit Katzen sei, wisse sie nicht. Er sei im Tierheim auch nicht mit anderen Hunden zusammengelassen worden.
Ehrlich gesagt, ich konnte mir unter diesen Begriffen nicht viel vorstellen. Ich wollte den hübschen Milo einfach nur kennenlernen und mir ein eigenes Bild von ihm machen. Und so verabredeten wir uns für den nachfolgenden Samstag für eine Besichtigung.
Vor der Besichtigung wies uns eine Mitarbeiterin eines Tierheims, das regelmässig mit verschiedenen Listenhundorganisationen zusammenarbeitet darauf hin, dass Milos Tierheim bekannt dafür sei, dass es seine Hunde so rasch wie möglich los sein möchte und deshalb zukünftige Halter nicht so genau anschauen würde. Sie bat uns deshalb, Milo gleich zu uns zu nehmen, wenn es nur irgendwie gehe. Weil wir auch der Meinung waren, dass ein solches Vorgehen höchst fahrlässig ist, nahmen wir uns vor, Milo gleich mitzunehmen, sollten nicht irgendwelche schwerwiegenden Gründe dagegen sprechen.
Erster Auftritt
Im Tierheim angekommen, waren wir natürlich sehr gespannt, wie sich Milo präsentieren und wie er auf uns reagieren würde. Unsere erste Begegnung mit Ranja im Tierheim damals war freundlich, stürmisch gewesen. Sie machte hohe Luftsprünge, als sie aus dem Zwinger zu uns gebracht wurde.

Eine Mitarbeiterin verschwand in Richtung Hundezwinger, kurz darauf öffnete sich die Türe zum Empfangsbereich, wo wir mit Gutzis bewaffnet warteten. Milo näherte sich auf seine etwas unheimliche ruhige und langsame Art und beschnupperte uns, nahm die Gutzis dankend an.
Nach dem Beschnuppern gingen wir mit ihm kurz in nächsten Umgebung spazieren. Milo war nicht sonderlich gut führbar, aber das hatten wir auch nicht erwartet. Grundsätzlich schien er uns aber nicht abgeneigt zu sein, und er hatte auch keine Angst vor uns. Immerhin, damit konnte man arbeiten.
Eine bewegte Geschichte
Nach ungefähr einer Viertelstunde kehrten wir ins Heim zurück. Der Besitzer des Tierheims war inzwischen dort und fragte uns in der Tat sogleich, ob wir Milo mitnehmen möchten. Wir sagten natürlich zu, unterschrieben die nötigen Formulare, bezahlten die Gebühr und erfuhren noch etwas über Milos bewegte Vorgeschichte: Milo wuchs als Welpe mit seiner Mutter in der Drogenszene auf, war des öfteren in der Stadt unbeaufsichtigt alleine unterwegs und wurde deshalb ein paarmal beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht. Im Winter 2015 hatte er endlich ein gutes Zuhause gefunden, sein Halter musste sich aber einer Rückenoperation unterziehen und brachte ihn für die Zeit des Spitalaufenthalts zurück ins Tierheim. Am Tag bevor er Milo wieder abholen wollte, verstarb der Halter unverhofft. Wie wir erst später herausfanden, passierte das auch am 29. Februar 2016. Also just an dem Tag, an dem uns Ranja verlassen hatte.
Wir wählten noch eine Leine und ein Halsband aus, offeriert vom Tierheim. Dann packten wir Milo ins Auto und fuhren nach Hause.
Und so nahm das Abenteuer Milo seinen Lauf.


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