Verletzende Vorurteile

Manche Reaktionen aus meinem Umfeld auf Milos Tod stimmen mich sehr nachdenklich und vor allem auch traurig. Sie zeigen, wie sich Menschen von Vorurteilen leiten lassen und dabei das Individuum gar nicht sehen (wollen). Zum Beispiel bei einem Kampfhund, Listenhund, bösen oder gefährlichen Hund wie Milo.

Einige Leute im Dorf scheinen gerade erleichtert zu sein, dass Milo nicht mehr hier ist. So kam neulich die eine Nachbarin (und Hundehalterin) sich erkundigen, ob wir den Hund nicht mehr hätten. Sie hatte es vom besten Freund ihres Mannes erfahren, der mit mir auf Facebook verbunden ist. Kein Wort des Beileids, dass Milo von uns gegangen ist.

Gestern bemerkte ein anderer Nachbar, dass da plötzlich ein anderer Hund mit mir an der Leine im Garten unterwegs ist. Nachdem ich ihn darauf hingewiesen hatte, dass es nicht mehr Milo ist, fragte er: „Musstet ihr ihn abtun?“ Seine Frage war vielleicht gar nicht so bös gemeint, aber sie traf mich mitten ins Herz. Auch von ihm kam kein Wort des Mitgefühls. Er fand Milo wohl auch eher lästig, weil er ihn, seine Kinder, seine Frau oder fremde Besucher durch den Zaun hindurch verbellte, wenn diese für Milos Geschmack zu nahe an unser, sein Grundstück herankamen.

Was mich verletzt, ist die Tatsache, dass die Menschen nicht anerkennen wollen oder können, dass Milo zwar kein einfacher, aber ein herzensguter, lieber Hund war und vor allem, dass er uns sehr viel bedeutet hat. Sie scheinen auch nicht anerkennen zu wollen oder können, dass wir unsere Verantwortung immer übernommen haben und das auch gut gemacht haben. So ist es in den letzten Jahren nie zu irgendeinem Vorfall gekommen, weder mit erwachsenen Menschen, Kindern, fremden Katzen in unserem Garten, nicht einmal mit den Hunden in der Nachbarschaft. Auch nicht, als Nachbars neue, freche Welpe einfach so unter dem Tor hindurch in unseren Garten einzudringen drohte. Oder wenn während unseren Runden auf der Wiese plötzlich ein Nachbarshund auftauchte, der wieder einmal unbeaufsichtigt unterwegs war.


Natürlich konnte Milo anderen Hunden gegenüber gefährlich werden. Denn Milo war ein grosses Hasenherz: Er wich möglichst Situationen aus, die für ihn gefährlich hätten sein können. Und dazu gehörten Hunde, die ihm nicht unter Kontrolle zu sein schienen. Sah er keinen Ausweg, konnte er auch in der Panik zubeissen. Das hatte aber weniger mit seiner Rasse, als mit seiner Vorgeschichte zu tun. Und seit dem letzten Vorfall im Januar 2018, bei dem notabene Milo von einem unangeleinten Border Collie im Wald verbissen wurde, ist nie mehr etwas passiert. Ich habe unsere Spazierrouten möglichst so gewählt, dass ich den Überblick hatte, damit Milo in Sicherheit war und sich auch möglichst in Sicherheit wähnte. Potenziell brenzligen Situationen sind wir ausgewichen oder ich habe sie vorausschauend verhindert.

Darum ist nichts passiert.

Zu Hause und im Garten fühlte sich Milo sicher und wohl.

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Kommentare

Ein Kommentar zu „Verletzende Vorurteile“

  1. Avatar von Marianna Dürr
    Marianna Dürr

    💔💔💔😢😢😢

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